Es fühlt sich irgendwie seltsam an, über sich selbst zu reden. Darum bin ich sehr froh, dass ich die erfahrene Journalistin Maike Rohrbach (bekannt aus "Jagen, sammeln und verlieben") gewinnen konnte, die mir nun ein paar Fragen stellen wird.

Interview mit Julia Jenner

von Maike Rohrbach

Liebe Frau Jenner, ich freue mich, Sie kennenzulernen!

Ganz meinerseits, Frau Rohrbach. Aber wollen wir uns nicht duzen?

 

Hmnja, okay. Gern. Also, Julia, wolltest du immer schon Schriftstellerin werden?

Überhaupt nicht. Als Kind wollte ich Winnetou werden, als Jugendliche dann Simultandolmetscherin, weil ich im Schulunterricht die Fähigkeit trainiert hatte, gleichzeitig zu sprechen (mit einer Mitschülerin) und zuzuhören (dem Lehrer). So war ich immer vorbereitet auf die Frage: "Julia, was habe ich gerade gesagt?". Nach dem Abitur kam mir das Dolmetschen dann aber nicht mehr so erstrebenswert vor. Ich war dann eine Zeit lang unentschlossen und habe Verschiedenes ausprobiert, bis ich mich zum Studium der Politikwissenschaft entschlossen habe.

 

Du wolltest Politikerin werden?

Nein, ich wollte Diplomatin werden. Das hatte ich mir schick und lukrativ vorgestellt. Aber dann wurde mir klar, dass die Veranstaltung von glamourösen Botschaftsparties nicht die Hauptbeschäftigung von Diplomaten ist. Außerdem stellte ich fest, dass ich weder tropenfest noch diplomatisch bin. Also beschloss ich, Journalistin zu werden. Dafür ist so ein Studium auch nützlich, und ein Praktikum beim Radio hatte mir viel Spaß gemacht.

 

Und warum wurdest du dann doch keine Journalistin?

Mitten im Studium hatte ich ein Kind bekommen und da ist das Leben als rasende Reporterin etwas schwierig. Also Plan C: Ich promoviere und werde Wissenschaftlerin. Aber dazu kam es dann auch nicht, weil ich immer zu hören bekam, man dürfe in wissenschaftlichen Arbeiten keine Witze machen. Zum Glück erfuhr ich zum Ende des Studiums von einer einjährigen Drehbuchautorenausbildung in Köln, da konnte man sich bewerben, das hab ich gemacht und tatsächlich einen Platz bekommen.

 

Und was für Drehbücher hast du dann geschrieben?

Die, die man mir angeboten hat. Und das waren vor allem Sitcoms und Comedy-Serien, wie zum Beispiel "Das Amt", "Nikola", "Die Camper" und "Berlin, Berlin". Das hat viel Spaß gemacht und ich konnte mit meiner Familie gut davon leben. Zur Zeit schreibe ich Drehbücher für die Serie "In aller Freundschaft" und es ist toll, wenn nach der Ausstrahlung einer meiner Folgen im Internet zu lesen ist, dass den Fans die Folge gefallen hat. Es macht mich total glücklich, Leute zu unterhalten.

 

Warum hast du dich entschlossen, auch Romane zu schreiben?

Weil ich neue Herausforderungen mag und weil ich dabei - gerade jetzt als Selfpublisherin - genau das schreiben kann, was ich will und was ich selbst gern lesen würde. Sehr geholfen beim Handwerklichen hat mir dabei meine Lektorin Susanne Pavlovic, bekannt als Textehexe, die ich hiermit wärmstens empfehle.

 

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Eine Mischung aus Jane Austen und "Die nackte Kanone". Ich hab auch mal überlegt, ob ich meine Romane als "Kitsch für Verkopfte" oder "Romantik für Realisten" beschreiben sollte.

 

Hi hi, "Kitsch für Verkopfte"! Da wäre ich in der Zielgruppe! Werden denn alle deine zukünftigen Bücher Liebesromane?

Das weiß ich noch nicht genau, aber Liebe wird bestimmt immer drin vorkommen. Das ist ja auch ein sehr ergiebiges Thema!

 

Wie steht es denn mit deiner eigenen Beziehungsgeschichte?

Oh, da hatte ich immer wieder ein Händchen für den gezielten Griff daneben. Zum Glück für meine Arbeit, denn wie heißt es in meinem Autorenmotto: Wenn es schlecht läuft, dann kann ich's verwenden. Im Ernst, scheitern und vor die Wand laufen ist super für uns Autoren. Da hat man was zu erzählen! Denn nichts ist so langweilig wie Glück und Harmonie. Als Geschichte jedenfalls. Darum sind Liebesromane ja auch immer zu Ende, sobald sich zwei gefunden haben.

 

Auf den Seiten des Verbands Deutscher Drehbuchautoren steht, dass du 2003 nach Finnland gezogen bist. Warum?

Aus Jux und Abenteuerlust. Das Gute am Leben als Autorin ist ja, dass man dafür nicht vor Ort sein muss.

 

Und was hat dein Kind dazu gesagt?

Meine Tochter ist zum Glück sehr cool und fand das mit ihren damals zwölf Jahren eine tolle Idee. In Finnland hab ich dann meinen jetzigen Mann kennengelernt und dort noch ein Kind bekommen.

 

Kannst du denn Finnisch?

Ja, ich spreche falsch, aber flüssig. Und Finnland wird auf jeden Fall mal in meinen Büchern vorkommen. Das war eine tolle Zeit!

 

Jetzt bist du seit 2010 mit deiner Familie wieder in Deutschland. Kann es sein, dass es dich noch mal in die Ferne zieht?

Im Moment nicht. Aber sag niemals nie!

 

Hat das Leben als Autorin auch Nachteile?

Na klar. Zum Beispiel wird mein übereifriges und bei der Arbeit sehr nützliches Vorstellungsvermögen zum Problem, wenn ich Medikamente nehmen muss und einen Beipackzettel lese. Ich kriege dann Nebenwirkungen, bevor ich das Zeug überhaupt genommen habe.

 

Liebe Julia, ich danke dir für dieses Gespräch!

Das Vergnügen war ganz auf meiner Seite.